Unter der Rubrik „Zukunft der Kirche“ hat die Bistumszeitung Kirche+Leben am 26. Oktober 2025 diesen Artikel über #feiernwir veröffentlicht. Hier geht es direkt zum Artikel bei Kirche+Leben…

 

250 Leute in der Sonntagsmesse? Das kommt mittlerweile eher selten vor. Eine Gemeinde in Münster schafft das jede Woche. Was ist ihr Geheimnis?

Die meisten Gläubigen gehören der Pfarrei ihres Wohnorts an. Dass das aber nicht immer so sein muss, zeigt die Gemeinde „#feiernwir“ in Münster. Nach eigener Auskunft hat sie Mitglieder im gesamten deutschsprachigen Raum. Jeden Sonntag um 19 Uhr feiern insgesamt rund 250 Menschen in der St.-Martini-Kirche in Münster und im Livestream gemeinsam Gottesdienst.

Mittlerweile streamen viele Gemeinden ihre Gottesdienste im Internet. Dennoch scheint das Projekt #feiernwir eine besondere Anziehungskraft zu haben. „Wir haben treue Zuschauende aus Luxemburg, der Schweiz, Österreich und sogar Auswanderer, die jetzt in Schweden leben“, sagt Theresa Niebler. Sie ist eine von rund 50 freiwillig Engagierten, die die Messe jede Woche vorbereiten und begleiten.

Über Livestream direkt beteiligt

Die 33-Jährige ist bei den #feiernwir-Gottesdiensten persönlich in der Kirche. Nicht so Brigitte Schaefer. Sie ist auch Teil des Teams, sitzt aber während der Messe an ihrem Computer im mehr als 300 Kilometer entfernten Luxemburg und moderiert den Chat im Livestream.

„Mich hat das Konzept überzeugt“, antwortet Schaefer auf die Frage, was sie zu diesem Engagement motiviert. Die Gemeinschaft in Münster mache ihr Freude. Der Altersdurchschnitt sei niedrig, die Gottesdienste inspirierten sie und regten zum Nachdenken an. „Man geht gestärkt in die neue Woche. Es würde mir jetzt sehr schwerfallen, in einen langweiligen Null-Acht-Fünfzehn-Gottesdienst zurückzukehren, mit einer Predigt, die mich nicht anspricht, mit dünnem Gesang“, so Schaefer.

Musik kommt von effata-Band

Grundlage für die geistlichen Impulse können aktuelle Songs, Filme oder auch Werbeclips sein, erklärt Niebler. Die Feiernden suchten mit den Zelebranten Pfarrer Karsten Weidisch oder Bruder Konrad Schneermann einen Anknüpfungspunkt an das Evangelium des Tages.

Musikalisch begleitet die effata-Band die Gottesdienste. Über das Computerprogramm „Mentimeter“ können Teilnehmende in Echtzeit Fürbitten einsenden oder Fragen beantworten, die im Gottesdienst gestellt werden. So können sie sich aktiv beteiligen, obwohl sie viele Kilometer weit entfernt in ihrem Wohnzimmer sitzen.

Keine Hostie per Stream

Das Streamingformat hat jedoch auch Grenzen. Bei der Eucharistie können die Teilnehmenden an ihren Bildschirmen lediglich zuschauen, während die Gäste in der Kirche die Kommunion empfangen.

„Ich gebe zu, dass es mir manchmal fehlt, die Hostie in die Hand gelegt zu bekommen und am Mahl teilzuhaben“, so Schaefer. Auch die Gespräche im Anschluss an den Gottesdienst vor der Kirchentür vermisse sie. Fürs Erste sei sie jedoch bei #feiernwir sehr glücklich. Einmal im Jahr schafften sie und ihre Familie es, zum Gottesdienst nach Münster zu kommen.

#feiernwir: Erster Gottesdienst 2019

Der erste #feiernwir-Gottesdienst war die Christmette 2019. Die Idee, die Gottesdienste auch live zu streamen, entstand im darauffolgenden Jahr durch die Corona-Pandemie. Niebler erinnert sich an die Entscheidung vor fünf Jahren: „Wir dürfen niemanden in die Kirche lassen, darum streamen wir auf Youtube“.

Irgendwann sei ihr Angebot in Auflistungen von Gottesdienst-Streamings vorgekommen. So habe sich eine große Online-Gemeinde entwickelt. Teilweise seien viel mehr zu Hause am Laptop oder Fernseher gewesen als im Kirchraum in Münster. Die Organisierenden waren sich einig: „Wir müssen das aufrechterhalten.“

Bekannte Gesichter aus dem Livestream

In diesem Jahr feierte die Gemeinde ihr fünfjähriges Bestehen. Einige reisten dafür extra nach Münster. Über den Chat im Livestream sandten Mitglieder Grüße aus Tübingen, Geldern, Eschede in der Lüneburger Heide und aus der Westpfalz.

Der Ton wirkt vertraut, als würden sich alle Beteiligten schon lange kennen. Dabei haben sich viele von ihnen noch nie persönlich getroffen. Niebler erzählt von einer Begegnung auf einem Katholikentag. Plötzlich habe sie jemand angesprochen: „Wir feiern jeden Sonntag mit euch“. Sie habe die Leute noch nie zuvor gesehen, „aber sie kennen uns natürlich aus dem Stream“.