Foto: unsplash @jahan_photobox

Alexa Feser – In diesem Moment

Irgendwo hört irgendwer
Zum ersten Mal „Ich liebe dich“
Und irgendwo setzt ein Genie
An einem Bild den letzten Strich

Ein Tramper steht am Straßenrand
Weiß nicht, wohin, Hauptsache fort
Und ein Athlet mit Kunststoffbein
Läuft irgendwo grad Weltrekord

Und ein Mann, der nie verzeiht
Macht sich zum Verzeihen bereit
Gerade irgendwo

Vielleicht nicht dir oder mir
Und keinem, der uns schon kennt
Aber das alles geschieht
In diesem Moment

Auf einem Schiff im Polarmeer
Der Stadt aus Zement
Geschieht das alles gerade
In diesem Moment

Irgendwo singt irgendwer
Schief und laut gegen die Angst
Und anderswo sucht eine Frau
Nach einer Frau, die mit ihr tanzt

Gerade jetzt hört irgendwer
In seinem Auto dieses Lied
Und irgendwem wird plötzlich klar
Dass er Paris nie wieder sieht

Und jemand hat ein Teleskop
In Richtung Erde aufgestellt
Gerade irgendwo

Einem anderen egal
Und irgendwo da schlägt ein Herz
Ein allererstes Mal

 

Gott,
wir leben Wand an Wand, nah beieinander –
und doch sieht jede*r von uns
durch ein eigenes Fenster hinaus in die Welt.

Manchmal ist unser Blick klar,
manchmal beschlagen vom Alltag,
manchmal verdunkelt von Müdigkeit und Sorgen.
Schenk uns Zeit, um den Moment zu sehen,
Ruhe, um das Licht zu spüren, das du uns schickst –
leise, warm, beständig.

Lass uns die Fenster öffnen für frische Luft,
für neue Gedanken, für Begegnung und Hoffnung.
Und wenn es kalt wird, dann sei du das Licht,
das durch unser Fenster fällt und Wärme schenkt –
von Herz zu Herz, Wand an Wand.

Bleib bei uns in dieser Adventszeit,
du Gott des Lichts und der Stille, wir warten –
mit offenen Augen,
mit offenen Fenstern,
mit offenen Herzen.

Amen.

 

GLEICHZEITIG[!] – IN MIR SELBST

Der Advent ist eine Zeit, in der Vorfreude, Besinnung und Hektik oft gleichzeitig auftreten. Hier sind einige Impulsfragen, die genau diese Spannung aufgreifen:

 Persönliche Erfahrung

  • Wie erlebe ich die Adventszeit – eher als ruhig und besinnlich oder als hektisch und voll?
  • Welche Gefühle treten in mir gleichzeitig auf (wie Freude, Stress, Sehnsucht, Dankbarkeit)?
  • Wie gelingt es mir, in der Gleichzeitigkeit von Alltag und Adventszeit bewusst innezuhalten?
  • Gibt es Momente, in denen ich das „Gleichzeitig-Sein“ verschiedener Stimmungen bewusst wahrnehme?

 Spiritualität & Besinnung

  • Wie finde ich im Advent Raum für Stille, obwohl um mich herum vieles gleichzeitig geschieht?
  • Welche Bedeutung hat Warten für mich – und wie verträgt sich das mit dem schnellen Rhythmus der Adventszeit?
  • Kann ich Freude und Erwartung gleichzeitig mit Geduld und Ruhe leben?
  • Wo spüre ich die Gleichzeitigkeit von „schon jetzt“ und „noch nicht“ – also zwischen Hoffnung und Erfüllung?

 Beziehungen & Gemeinschaft

  • Wie erlebe ich die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz in dieser Zeit (Familie, Freunde, Gemeinschaft)?
  • Wo entstehen Spannungen zwischen meinen eigenen Bedürfnissen und den Erwartungen anderer im Advent?
  • Wie kann ich im Miteinander Momente der echten Begegnung schaffen – trotz gleichzeitiger Termine, Aufgaben und Feiern?

 Alltag & Konsum

  • Wie halte ich die Balance zwischen äußeren Aktivitäten (Geschenke, Termine, Feiern) und innerer Einkehr?
  • Was geschieht mit mir, wenn ich versuche, dem Trubel und der Besinnlichkeit gleichzeitig gerecht zu werden?
  • Welche Rituale helfen mir, die Gleichzeitigkeit von Geschäftigkeit und Besinnung zu gestalten, statt sie als Widerspruch zu erleben?

 Weitergedacht

  • Welche Bedeutung hat „Gleichzeitigkeit“ im Advent für mein Verständnis von Zeit und Leben allgemein?
  • Was kann ich aus der Spannung von Ruhe und Aktivität, Warten und Feiern, Innen und Außen lernen?
  • Wie kann ich diese Erfahrung der Gleichzeitigkeit bewusst in das neue Jahr mitnehmen?

 

Gott,
Advent ist eine Zeit der Gleichzeitigkeit.

Während die Welt um mich herum lauter wird,
sehne ich mich nach Stille.
Während Lichter blinken und Menschen eilen,
braucht mein Herz eine Pause.

Ich spüre Freude und Müdigkeit zugleich,
Dankbarkeit und Sehnsucht,
Erwartung und Ungeduld.
Das alles darf gleichzeitig da sein  –
nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Gleichzeitig inmitten der vielen Stimmen deine zu hören,
gleichzeitig inmitten der Bewegung still zu werden,
gleichzeitig inmitten der Fülle das Wesentliche zu erkennen,

gleichzeitig nicht nur im Stillen, sondern auch im Lauten,
gleichzeitig nicht nur im Schönen, sondern auch im Unfertigen,

gleichzeitig im Lachen und im Schweigen,
gleichzeitig im Warten und im Handeln,
gleichzeitig im Heute und im Noch-nicht.

So wird Advent – gleichzeitig in mir, um mich und durch mich.

Amen.